Die
Entstehungsgeschichte der Maigesellschaft Habbelrath:
Die Gründung:
Eine Gründungsurkunde der Maigesellschaft Habbelrath
existiert zwar nicht, doch können anhand des unten
abgebildeten Schriftstückes die Anfänge der Maigesellschaft
exakt festgestellt werden. Diese Erklärung stammt aus
alten Unterlagen, die glücklicherweise nach langen
Jahren wieder aufgetaucht sind. Dank dieser vollständigen
Unterlagen aus den Jahren 1946 bis 1983 läßt
sich unsere Vereinsgeschichte nunmehr ab Kriegsende bis
heute beinah lückenlos nachvollziehen. Lediglich aus
einigen Jahren gibt es keine Unterlagen, was daran liegt,
dass es da in Habbelrath kein Maifest gegeben hat. Auch
fehlen uns noch die Unterlagen aus den Jahren nach 1983
bis zu den Anfängen der aktuellen Unterlagen im Jahre
1995. Falls irgendjemand weiß, wo diese sind, falls
sie überhaupt noch existieren, wären wir für
einen Tip sehr dankbar.
Bis zum Jahre 1938 fand regelmäßig ein Maifest
statt.
Was gehörte nun alles zum Maifest und wodurch war
dieses charakterisiert? Die Tradition von 1934 verlangte,
dass alle Mädchen aus Habbelrath versteigert wurden.
Der Maimann, der für seine Maifrau die meisten Maimarken
bezahlt hatte, wurde König.
Gefeiert wurde das Maifest im Rahmen der Familie und bei
schönem Wetter im Garten des Königs.
Die Maigesellschaft von 1953
Durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges musste die Veranstalltung
des Maifestes eingestellt werden. Erst 1946, nach dem Ende
des Krieges, wurde diese Tradition des Maifestes wieder
aufgenommen.
Anlaufschwierigkeiten in den Nachkriegsjahren wurden durch
eine unermüdliche Ausdauer von seiten des Vorstandes
überwunden.
Neben diesen Anlaufschwierigkeiten erschwerten einige Erlasse
der Besatzungsmächte das freie Handeln, was für
die Organisation eines Maifestes von Nöten war. In
diesem Zusammenhang sei die Beschaffung der Maibäume
erwähnt:
Als 1946 die Maimänner mit Axt und Beil ausgerüstet
zum traditionellen Maibaumschlagen in den Wald zogen, wurde
dies von den Besatzern als Aufstand angesehen. Den Maimännern
wurden Axt und Beil abgenommen und sichergestellt!
Nach dem Krieg konnte bis 1958 alljährlich ein Maifest
gefeiert werden. Die Bereitschaft, die Maigesellschaft durch
Eigeninitiative zu unterstützen war sehr stark, so
dass viele Jugendliche die Verantwortung für die Gestalltung
und Durchführung des Maifestes selbst übernahmen.
Das Fest half möglicherweise vielen, die trüben
Erinnerungen des Krieges zu vergessen. Doch ließ auch
dieser Drang nach Selbstverwirklichung im Laufe der Jahre
immer mehr nach.
So passierte es dann, dass in den Jahren von 1959 - 1962
die Resonanz der Jugend aus dem eigenen Dorf nicht stark
genug war, um auch weiterhin ein Maifest zu feiern. Die
Tradition wurde während dieser Zeit auf Eis gelegt.
Die Maigesellschaft von 1965
Erst 1963 fand wieder ein Maifest mit genügend Jugendlichen
statt, die auch bereit waren, das Fest mitzuorganisieren.
Von 1963 - 1980 konnte jedes Jahr ein Maifest veranstaltet
werden. Da die Teilnehmerzahl abnahm, wurde im Jahre 1972
ein Ältestenrat mit der Aufgabe gegründet, weitere
Jugendliche zur Teilnahme am Maifest zu motivieren und do
dem drohenden Resonanzverlust entgegenzuwirken.
Maikönigspaar von 1969
Ganz anders hingegen war das 40-jährige Jubiläumsfest.
Für die Teilnehmer war es eines der schönsten
Maifest und blieb in dieser Form in den Köpfen der
Maifrauen und -männer in Erinnerung.
Im Jahre 1972 wurde der Titel des Maikönigs nicht
versteigert. Zum ersten mal kam es in der Geschichte der
Maigesellschaft zu einem Festumzug ohne Königspaar.
Auch der Titel des Maiknechts blieb in diesem Jahr unbesetzt.
Dies waren bereits erste Anzeichen, die auf zukünftige
Probleme der Maigesellschaft hinwiesen.
Eine breit gefächerte Palette an Freizeitangeboten
und möglicherweise die Tatsache, dass dieses Fest "überholt"
ist (Frauenversteigerung, lange Kleider,...), machte es
dem Vorstand der Maigesellschaft unmöglich, die Jugendlichen
des Ortes für die Teilnahme am Maifest zu gewinnen.
Trotz aller Bemühungen des damaligen Vorstandes fanden
zwischen 1980 und 1983 keine weiteren Maifeste mehr statt.
Erst im Jahre 1984 wurde wieder ein Maifest - das 50-jährige
Jubiläum - veranstalltet. Es wurde eigentlich unter
dem Aspekt organisiert, dass dies einer der letzten Aktivitäten
der Maigesellschaft sein würde. Auch in diesem Jubiläumsjahr
ließ sich niemand finden, der bereit gewesen wäre,
Maikönig zu werden. Dennoch konnte seit 1984 ununterbrochen
ein Maifest gefeiert werden.
In den letzten Jahren erlebt die Maigesellschaft eine Zeit
des Aufschwungs. Die Beteiligung und Begeisterung für
dieses Fest hat wieder zugenommen.
In diesem Zusammenhang sollte man noch erwähnen, dass
Jugendliche von ausserhalb - Freunde und Bekannte der Dorfjugend
- dieses Fest durch ihre Teilnahme unterstützen.
Für die Zukunft wäre zu wünschen, dass sich
immer wieder Jugendliche fänden, die die Freude an
diesem Fest teilen, und durch ihre Unterstützung bei
der Organisation dieses Festes helfen, diese Tradition aufrecht
zu erhalten.